Ein großes Thema, das häufig sehr kontrovers diskutiert wird. Wir diskutieren jetzt aber nicht. Wir stellen dir Möglichkeiten vor, mit denen du dir eine stabile Basis für Konfrontationen auf Tuchfühlung schaffen kannst. Kein Kungfuchteln, kein WinkeTsun oder KrampfMaga. Namen sind was für Leute die damit Geld verdienen wollen. Es geht um Selbstverteidigung – hinterlistigster, dreckigster Hinterhofkampf. Wir lassen rechtliche Dinge mit voller Absicht außen vor, empfehlen dir aber bei Fragen das BGB und das StGB zu lesen.

ACHTUNG !! LESEN !!

Wenn du Scheiße baust ist das dein Problem. Hier geht es ausschließlich um theoretische Fragen und theoretische Antworten. Wenn du mit den von uns gezeigten Mitteln/Methoden/Gegenständen irgendwelchen rechtlich relevanten Stuss anstellst und erwischt wirst, übernehmen wir dafür keinerlei Verantwortung. Handle stehts den Gesetzen entsprechend und nutze dein Wissen nur dann, wenn es absolut keine andere Möglichkeit mehr gibt. 

Selbstverteidigung – Körperliche Grundlagen

Körperliche Fitness haben wir grundlagenweise ja bereits in einem anderen Beitrag angesprochen (Link). Kraft ist nur ein Aspekt davon. Ein weiterer ist Ausdauer. Zwei weitere, die für Konfrontationen auf Tuchfühlung sehr viel wichtiger sind, sind Reaktionsvermögen und Geschwindigkeit. Technik stellen wir erstmal an letzter Stelle, denn die kommt mit der Übung und kann für jeden anders sein.
Reaktionsvermögen – Basistraining
Reflexe sind gut. Du brauchst konditionierte Reflexe, also Reflexe die du dir willkürlich antrainiert hast und die einzig zur Reaktion auf bestimmte Reize von dir bestimmt sind. Hierzu gibt es verschiedene Übungen, die du allein oder mit einem Trainingspartner realisieren kannst. Was du dafür brauchst sind:
  •  Tennisball
  •  Glasmurmel
Schneid den Tennisball auf und pack die Glasmurmel rein. Zukleben. Wirf das mit einer Hand gegen eine Wand und fange es mit der anderen. Das trainiert dein Reaktionsvermögen und die Handgeschwindigkeit.
Für eine andere Methode brauchst du einen Trainingspartner. Halte deine Hand zwischen seine Hände und versuche sie wegzuziehen bevor er klatscht. Eine weitere Methode ist, einen kleinen Gegenstand (Streichholzschachtel) zu nehmen und deinen Trainingspartner diesen knapp über deine offenen Hände fallen zu lassen. Versuch den Gegenstand zu fangen.
Fortgeschrittene Methoden sind Bewegungen am Doppelendball oder Partnertraining mit Focuspads (Handpratzen).
Geschwindigkeit
Geschwindigkeit definiert sich auf Tuchfühlung oft über technische Sicherheit. Handgeschwindigkeit und Beinarbeit müssen hier am meisten beachtet werden. Das lässt sich ebenfalls einfach lernen, indem man Basistechniken (kommt gleich, weiterlesen) wie beim Schattenboxen ausübt. Weitere Methoden sind das Partnertraining (extrem wichtig), Sprinten, Training mit Gummibändern oder sehr leichten Gewichten. Sprinten eignet sich sehr gut dazu deine Ausdauer zu steigern und deine insgesamte Schnelligkeit zu trainieren. Sprints im Wechsel mit Schattenboxübungen, leichten Gewichten und Pratzentraining sind ein fortgeschrittenes Mittel um schneller und tauglicher für Auseinandersetzungen zu werden.

Technik – Was

Es wird interessant. Du hast vielleicht schon die eine oder andere Auseinandersetzung gehabt. Vielleicht sogar schon eine Schlägerei mitgemacht. Ist nicht schlimm, leichte Hiebe ins Gesicht formen den Charakter. Wir raten für Anfänger grundsätzlich davon ab irgendwelchen Blödsinn mit Griffen, Druckpunkten oder sowas zu machen. Und schlag nicht mit der Faust zu. Erstens muss man das richtig üben und zweitens bringt das oft nicht wirklich viel. Auch ein geübter Boxer kann sich ohne Handschuhe schnell die Mittelhandknochen brechen.
Achja, übt Fallschule. Fangt langsam an und übt auf Untergrund der einigermaßen nachgibt, wie Waldboden, Wiese oder Kies.
Wir empfehlen folgende Körperteile einzubringen:
  •  Ellbogen
  •  Knie
  •  Schienbein
  •  Fuß
  •  Stirn
  •  Handkante
In dieser Reihenfolge. Natürlich darfst du auch kratzen (Augen, beißen (gesamtes Gesicht, Hals, Genitalien) und nehmen was dir grade in die Hände gerät. Es gibt auf der Straße keine Regeln. Und erwarte keine Hilfe, die Wahrscheinlichkeit das jemand hilft ist leider sehr gering.

Technik – Wie und Wohin?

Ellbogen
Sehr einfach zu lernende Körperwaffe, kann einfach von der Seite, von unten nach oben oder von oben nach unten eingesetzt werden. Von unten und von oben mit dem Ellbogen zu stoßen kann allerdings nur als Folgetechnik eingesetzt werden, der Gegner muss dafür die richtigen Positionen haben. Mit dem Ellbogenstoß von der Seite (außen nach innen) kann auf diverse Körperstellen gezielt werden. Hierzu gehört:
  •  Schläfe
  •  gesamtes Gesicht
  •  Brustbein
  •  Hals (!Vorsicht!)
Man muss mit Ellbogenstößen nicht allzu präzise sein. Platziere deine Hand waagerecht unter deinem Schlüsselbein und mache eine Faust. Heben den Ellbogen beim Stoß auf Höhe der Stelle die du treffen willst und drehe dich mit aller Wucht und deinem gesamten Körper in den Schlag rein.
Der Gegner kann mit der freien Hand noch in den Schlag gezogen werden, was die Aufprallwucht wesentlich erhöht. Beim Stoß in den Hals solltest du allerdings sparsam rangehen, hier besteht Lebensgefahr. Lässt der Angreifer nicht beim ersten Treffer ab, schlag einfach öfters zu bis er loslässt und du türmen kannst.
Knie/Schienbein/Fuß
Deine Knie und Schienbeine sind hervorragende Mittel um einem Angreifer die Möglichkeit der Bewegung zu nehmen. Kniestöße und Schienbeintritte eignen sich sehr gut um auf sehr kurze Entfernungen zu handeln, insbesondere wenn die Arme blockiert sind weil man hält. Fußtritte eignen sich für schnelle, sehr gezielte Angriffe. Alle drei Körperwaffen können bei einleitenden Techniken, sowie bei Folgetechniken benutzt werden. Gezielt wird auf:
  •  Kurzrippen
  •  Oberschenkel
  •  Knie (Schienbeintritt von der Seite, Folgetechnik)
  •  Genitalien
  •  Gesicht (Kniestoß, Folgetechnik)
  •  Unterbauch (Stoßtritt mit dem Fuß)
Das Schienbein muss für den Einsatz als Abwehrmittel konditioniert werden. Hierzu kann man einen Trainingspartner auffordern einen Schlafsack als Pratze zu halten um die Tritte daran zu üben oder man kann mit einer Pratze oder mit einem dicken Reisigbündel auf die Schienbeine schlagen.
Fortgeschrittene Methoden sind das Abhärten am Boxsack, heftige Sprünge mit schweren Landungen (Box-Jumps) oder Sparringskämpfe mit oder ohne Schoner. Wer nach Techniken Ausschau halten möchte, dem empfehlen wir einen Blick in Richtung Thaiboxen zu werfen.
Stirn/Handkante
Mit Vorsicht zu genießen. Kopfstöße erfordern eine spezielle Konditionierung der Nackenmuskulatur (Ringerbrücke) und dürfen auf keinen Fall aus einer „nickenden“ Bewegung heraus erfolgen. Riecht der andere nämlich Lunte und nimmt sein Kinn auf die Brust, sind deine Gesichtsknochen Pulver.
Nimm deinerseits den Kopf auf die Brust und stoße aus dem gesamten Oberkörper oder stoße aus nächster Nähe mit einer schnellen Kopfbewegung um dir Platz zu machen oder einen Griff zu lösen. Die Handkanten eigenen sich gut um den Kopf anzugreifen. Ziele sind dann Stirn, Ohren, Nasenrücken, Kieferseite und Hals (Vorsicht). Du kannst aber auch auf die Schlüsselbeine, Handgelenke und Nieren (Folgetechnik, Position muss stimmen) schlagen. Auch hier kannder Gegner wieder in den Schlag gezogen werden um die Wirkung zu verstärken.

Würfe und Hebel

Die meisten Würfe und Hebel erfordern regelmäßige Übung und einen entsprechenden Untergrund auf dem auch gefallen werden kann. Hast du meist nicht.
Solltest du dennoch daran interessiert sein, dann empfehlen wir den Hüftwurf (O Goshi) und den Schulterwurf (Seoi Nage). Beide kann man sich beim Judo aneignen oder zumindest abgucken. Zum Trainieren kann man auf eine Kiesfläche oder eine Tartan-Laufbahn gehen. Übt die Techniken langsam und unter allergrößter Kontrolle um Verletzungen zu vermeiden. Fallschule sollte ebenfalls trainiert werden, wenn man schon dabei ist.

Empfehlungen und andere Kleinigkeiten

Übung macht den Meister. Du solltest sowieso Sport treiben, alleine schon weil dein Rucksack so schwer ist und du notfalls zu Fuß damit los musst. Techniken kann man gut zu zweit üben. Das Hauptaugenmerk bei der Selbstverteidigung ist Weglaufen. Nicht den Gegner töten, nicht den Helden spielen sondern heile aus der Sache rauskommen. Beginne die Übungen langsam, versuche die Bewegung zu „fühlen“ und stelle dich auf unangenehme Begegnungen mit deinem Trainingspartner ein. Wer mehr Zeit investiert und richtig trainiert, der hat am Ende auch die besseren Karten. Und bitte fang gar nicht erst an solchen Blödsinn wie „No Touch KO“, Druckpunkte-Zauberei oder Kämpfen mit Ki zu glauben. Das ist samt und sonders Müll. Falls du jemanden an der Hand hast der die Sachen zeigen kann, dann geh sicher das er die auch drauf hat. Achte auf die Hände, Unterarme und das Gesicht deines Gegenübers. Hat er Narben an den Augenbrauen oder Lippen? Wie sehen seine Fingerknöchel aus, wie seine Unterarme. Oder eben Ihre. Du kannst fast todsicher davon ausgehen, das ein Anwender bestimmter Dinge auch entsprechende Narben und Stellen hat.

Zusammenfassung

Selbstverteidigung ist grundlegend Einstellungssache. Es gibt Menschen die stillhalten bis es vorbei ist und es gibt Menschen die sich nichts gefallen lassen. Wir halten nicht still. Nie. Aber diese Einstellung hat man, genau so wie die entsprechenden Techniken, nicht von heute auf morgen. Man muss üben, dann muss geübt werden und vor allem muss noch mehr geübt werden. Die Bewegungen müssen so normal werden wie Schreiben oder Essen.
Angriffe sind immer mit aller Kraft auszuführen. Und denke nicht an „Was wäre wenn?“. Lass dich von möglichen Konsequenzen für dich nicht abschrecken. Du darfst dich wehren. Du hast das Recht dazu. Befass dich damit. Selbstrecherche kann in etlichen Foren (DeJure) durchgeführt werden, auf denen auch Fachpersonen auch Fragen beantworten. Und lass dich nicht irre machen. Ruhe bewahren, ein klarer Kopf hilft oft mehr als die härtesten Fäuste.
Selbstverteidigung – Auf Tuchfühlung mit einem Angreifer – Die Basis

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