Manchmal muss einem ein Licht aufgehen. Aber wenn es keinen Strom mehr gibt und ein offenes Feuer entweder der Wohnung schaden würde, oder die eigene Position verraten würde, muss etwas anderes her.
Namentlich: Kerzen.
Leider gibt es nach dem Weltuntergang keine Raffinerien mehr, die einem das praktische Paraffin herstellen. Jetzt ist guter Rat teuer und teuer ist nicht gut. Wenn man aufstrebender Imker ist und seinen Bienenvölkern das Wachs wegnehmen kann ist das eine Möglichkeit an Wachs zu kommen.
Ein aber eher unbekannterer Rohstoff zur Kerzenherstellung ist Stearin, ein aus Tierfett gewonnenes Wachs.

Stearin

Materialien
Um Stearin selber herzustellen benötigt man nicht viel. Eigentlich nur:
  •  Tierfett
  •  Topf/große Dose
  •  Wasser
  •  Glas/Gefäß zum abkühlen
  •  Sieb
  •  Käseleinen
  •  Zeit
Dabei gilt es noch zu beachten, dass das Tierfett keine oder möglichst wenige Knorpel enthält. Am besten ist hierfür Rindertalg geeignet, da dieser kaum Knorpel enthält und bei der Verarbeitung keine unangenehme Geruchsentwicklung hat. Aber wenn Not am Mann ist, ist das ein eher unwichtiges Problem. Wenn man einen Topf verwendet sollte man diesen wenn möglich nicht mehr zum Essen kochen verwenden wollen, da ein wachsiger, schwer zu entfernender Rest im Topf zurückbleibt. Und als Käseleinen kommt jeder reine Leinen- oder Baumwollstoff in Frage.
Vorbereitung
Zur Vorbereitung muss man nur zwei Dinge machen. Zum einen benötigt man ein Feuer oder eine Kochstelle sonstiger Art. Wenn man ein Feuer verwendet bietet sich ein Grubenfeuer an, da dieses nicht weit zu sehen ist und sich dieses gut zum Kochen eignet. Am besten ein paar Steine mit ungefähr gleicher Größe danebenlegen um später die Hitze besser regulieren zu können. Zum anderen ist es notwendig das Fett so klein/fein wie möglich zu machen. Dazu kann man es entweder in einer Mühle mahlen oder mit einem Messer so klein wie möglich schneiden. Je feiner das Fett geschnitten ist, desto schneller gehen die weiteren Schritte.
Das Kochen
Nun gibt man das kleingeschnittene oder gemahlene Fett in den Topf oder in die Dose und fülle so weit es geht mit Wasser auf. Daür macht sich ein großer Topf besser als eine Dose, aber für die schnelle Eigenproduktion reicht es dennoch aus. Nun bringt man das ganze zum Kochen und verringert dann die Hitzezufuhr. Bei der Feuerstelle erhöht man dazu die Position des Topfes mithilfe der Steine. Die besten Ergebnisse erzielt man wenn das Fett langsam köchelnd geschmolzen wird. Damit das nicht allzu lange dauert kann man einen Deckel gekippt auf den Topf packen.
Und jetzt heißt es warten. Pro 500g verwendetem Fett müssen 10Minuten eingeplant sein. So sollte man es bei 3kg ungefähr 60 Minuten köcheln lassen.
Das Abseihen
Wenn die Zeit rum ist, geht es ans Abseihen. Heißt, man trennt das geschmolzene Fett von den festen Bestandteilen. Hierzu packt man das Käseleinen in dem Sieb über die Öffnung des Behälters, den man zum Abkühlen bereitgestellt hat und gießt den Inhalt des Topfes ab. Hierbei ist vorsicht geboten, da das Zeug heiß ist und feste Bestandteile beim Kippen abprallen und durch die Gegend fliegen können. Nun noch abtropfen lassen und Restflüssigkeit aus der Menge im Sieb drücken. Das feste Zeug kann jetzt weg und die Flüssigkeit kommt mit dem Behälter an einen kühle Ort. Nach dem vollständigen Abkühlen hat sich auf dem Wasser eine feste Schicht gebildet. Das ist das Stearin. Rausnehmen, das Wasser wegschütten und fertig.

Kerzen

Materialien
  •  Stearin/Bienenwachs
  •  Docht
  •  Stöckchen/lange Nadel
  •  Plastikbecher/Gläser/gespresste Formen aus Erde, Ton oder Lehm
Der Einfachheit halber gehen wir nur auf das Gießen von Kerzen und nicht das Kerzenziehen ein, da zum Einen der Zeitaufwand zum Kerzenziehen größer ist und zum Anderen Stearin nicht zum Ziehen geeignet ist. Wenn man keinen fertigen Kerzendocht zur Hand hat, ist das auch nicht schlimm, da dieser ganz leicht selber zu machen ist. Und damit man Kerzen in richtiger Form hat und keine Wachsflecken mit Docht drinnen, benötigt man zudem noch „Schablonen“. Dafür eignet sich alles, das irgendwie Kerzenform hat, ob es nun Gläser, Becher oder festgedrückte Formen aus Erde o.Ä. sind.
Der Docht
Für den Docht benötigt man nur Baumwollschnur und das Wachs seiner Wahl. Es eignen sich auch Zugkordeln von Pullovern und Jacken, dazu müssen diese nur aus reiner Baumwolle sein. Und da eine einfache Schnur kein ausdauerndes Brennverhalten hat, macht man diese durch Flechten dicker. Einfach drei einzelne Schnüre an einem Ende zusammenknoten und irgendwo befestigen. Nun einfach Straff halten und abwechselnd die rechte und linke Schnur abwechselnd über den benachbarten Strang in die Mitte legen. Nachdem man damit durch ist, wieder das Ende verknoten und fertig.
Da der Docht allerdings auch einen Eigenanteil Wachs benötigt muss man diesen darin tränken. Dazu erhitzt man das Wachs im Wasserbad bis es flüssig ist und legt den Dochtrohling hinein bis dieser vollständig mit Wachs getränkt ist. Dannach hängt man den Docht zum trocknen auf, wobei zu beachten ist, das dieser vollkommen grade nach unten hängt. Nachdem der Docht trocken ist, von der Leine nehmen und in die benötigte Größe schneiden.
Durch das Wachs räufelt dieser sich nicht mehr auf.
Das Gießen
Das Wachs im Wasserbad erhitzen bis es flüssig ist. In der Zwischenzeit kann man die Formen und Dochte vorbereiten. Wenn man Formen aus Erde oder Ähnlichem verwendet, füllt man lose Erde in einen Blumenkasten oder etwas Vergleichbares und nimmt entweder eine Vorlage(z.B. ein Glas) für die Form der Kerze und drückt diese in die Lose Erde. Nur noch die Erde außenherum verdichten und wiederholen bis kein Platz mehr im Blumenkasten ist. Zwischen den einzelnen Formen am besten ungefähr 10cm Platz lassen, damit keine Verformungen auftreten. Der Docht wird zur Vorbereitung an einem Ende mit dem Stöckchen/Spieß durchbohrt und über den Rand der Form/Gläser/Becher glegt, damit er beim Gießen nicht in die Kerze hineinrutscht. Im Falle der Gläser kann man, zum einfachen Herauslösen, diese vorher einfetten. Das kann man mit etwas übrigem Tierfett machen.
Nun sollte das Wachs geschmolzen sein und muss nur noch in die Formen gegossen werden, bis der Wachspegel ungefähr 2cm unter dem Ende des Dochtes ist. Jetzt noch auskühlen lassen und aus der Form nehmen, fertig ist die Kerze. Wenn man jetzt anstelle der großen Formen ein Schneckenhaus nimmt, kann man sich kleine, aber feine, Laternen für unterwegs oder zum in die Bude hängen bauen.

Nutzen

Kerzen können nicht nur zur eigenen Erleuchtung und Wärme genutzt werden, sondern bieten als Handelsware in einer postapokalyptischen Ära auch einen immensen Wert. Ob irgendwelche Kulte, Gemeinschaften oder einzelne Überlebende, jeder kann irgendwann einmal ne Kerze gebrauchen. Dabei spielt es keine Rolle wie diese Kerzen aussehen, solange sie brennen, erfüllen sie mindestens einen Zweck:
Wärme, Licht oder Tauschkraft.
Handwerk – Kerzen

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