Interesse an Survival ist bei mir eine relativ neue Geschichte. Ich komme aus keiner Prepperfamilie und ursprünglich hatte ich auch kein privates Verlange mich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Und jetzt sitze ich hier und schreibe einen Survivalblog. Wie kam es eigentlich dazu und was hat sich überhaupt an meiner Einstellung in dieser Zeit geändert?

Prepping ist doch was für Alumützen, oder?

So hab ich das ganze früher gesehen. Ich war was Gefahren und Krisen angeht zwar nicht komplett blauäugig, aber habe viele mögliche Szenarien als Themen für Aluhutträger abgestempelt. Man sieht im Fernsehen immer bloß die Typen die sich entweder die größtmögliche Waffe kaufen und das als Prepping bezeichnen, oder Menschen die absolut durchdrehen und sich erstmal nen Bunker in den Garten pflanzen. Und so wird die Prepperszene in weiten Teilen der Bevölkerung auch gesehen.
Erst mit der Zeit habe ich festgestellt, das der Großteil der Prepper ganz normale Menschen sind, die einfach gerne vorbereitet sind und diese Vorbereitung nicht ins lächerliche ziehen wie man es aus Funk und Fernsehen kennt. Und da ich mich mittlerweile selber auch als Prepper sehe ist die Standarisierung
mit dem Aluhut mittlerweile auch Passee. Aber das war alles ein Lernprozess, wodurch ich Kritiker der Prepperszene durchaus verstehen kann wenn sie uns den Aluhut aufsetzen und auch dementsprechend ruhig mit ihnen argumentieren kann. Deshalb nochmal ein gut gemeinter Rat an alle Prepper:
Seid nachsichtig mit Kritikern und argumentiert sachlich, denn sonst werden Vorurteile bestätigt und es gibt wieder jemanden der uns mit Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern in einen Topf wirft.

Der amerikanische Touch

Sei es Zombie- oder Katastrophenfilm, Hollywood bedient alle Klischees und zeigt einem so wie man es genau nicht machen sollte. Auch das musste ich lernen. Am Anfang war ich der Ansicht, das man Menschen grundsätzlich und ohne Vorbehalt vertrauen sollte. Wenn die Scheiße den Ventilator trifft, sucht man sich eine möglichst große Gruppe, damit die Überlebenschancen steigen. Wenn man sich allerdings damit beschäftigt, wie Menschen ticken wenn alles den Bach runter geht, stellt man ganz schnell fest wie blöd das eigentlich ist. Ich habe mir angesehen wie Menschen nach Naturkatastrophen handeln. New Orleans nach Hurricane
Katrina hat mir persönlich sehr gut vor Augen geführt was dann kommt. Marodierende Gruppen, die alles eingesackt haben was nicht niet- und nagelfest war. Wenn man in so einer Situation auf die Freundlichkeit seiner Mitmenschen baut kann das sehr schnell schief gehen. So muss das zwar nicht laufen, aber Panik treibt Menschen zu den verrücktesten Handlungen. Und die sind halt nicht immer gut.

Wissen ist nicht alles

Ebenso hatte ich immer den Gedanken, das wenn irgendwas passieren sollte, ich mich durch mein doch ganz gutes Allgemeinwissen ordentlich am Leben erhalten könnte. Die körperlichen Fähigkeiten stehen nach klassischer Sicht an zweiter Stelle. Das war für mich immer ein tröstender Gedanke, da ich körperlich nie die Leuchte war. Wie allerdings unser Probemarsch mit voller Beladung gezeigt hat kann man das vollkommen vergessen. Das war schon ziemlich anstrengend und dabei stand ich schon ganz ordentlich im Training. Ich weiß mittlerweile, das wenn man sich nur auf seine mentalen Fähigkeiten verlässt ziemlich schnell hopps gehen würde. Ausrüstung, Vorräte und alles was man unterwegs findet muss ja auch über größere Strecken bewegt werden. Deswegen ein erneuter Apell:
Die körperlichen Fähigkeiten sind ebenso wichtig wie Wissen. Probieren wie der eigene Stand ist und
Schwachstellen durch gezieltes Training beheben.

Einen an der Waffe(l)

„Waffen sind der entscheidende Scheiß“. Ich denke mal jeder wird irgendwann einmal das gedacht haben. Ich bin mittlerweile davon weg, denn in schätzungsweise 90% der Fälle ist das unerkannt Bleiben von Bedeutung. Und für die restlichen 10% ist es eher ungünstig, sich auf Waffen, vor allem Schusswaffen zu verlassen. Schusswaffen machen krach und wollen auch bedient werden können. Bedienen kann ich sie nicht und ich möchte nicht jeden Neugierigen im Umkreis mehrerer Kilometer auf mich aufmerksam machen. Wenn man mich jetzt fragt liegt mein Interesse auf subtileren Dingen. Eine Armbrust, ein Speer und Messer. Alles kann lautlos eingesetzt werden und benötigt entweder keine Munition, oder man kann diese wiederverwenden. Und wenn eine Situation wirklich extrem seitwärts läuft, wären dennoch eher Gifte und Brandsätze in meinem Interesse um mein Überleben zu sichern. Einfacher ist meiner Meinung nach besser.

Kleidung zum Leiden

Wie gekleidet stiefelt man durch Feld und Flur? Ich hätte früher ohne mit der Wimper zu zucken mit „keine Ahnung, hauptsache modisches Flecktarn“ geantwortet. Finde ich mittlerweile vollkommen bescheuert. Klingt zwar erst mal blöd, aber Flecktarn fällt auf. Zumindest in jeder Situation, in der sie nicht der Umgebungsfarbe entstricht. Ich halte mittlerweile Erdtöne, Grün oder auch Schwarz für die Farben der Wahl.
Denn man ist zwar im Wald oder auf dem Feld nicht so gut getarnt wie mit Flecktarn, dafür hebt es sich in urbanen Gebieten nicht so stark von der Norm ab. Ebenfalls zu denken gegeben hat mir der Gedanke in
Konfliktzeiten damit als Milizionär zu wirken, was ziemlich schnell zum Ableben führen kann wenn man einer Gruppe dienstbewusster Soldaten gegenübersteht. Meiner Meinung nach erhält ein zivil aussehender Mensch in einer Krise deutlich eher Hilfe als jemand der so aussieht, als ob er im dritten Weltkrieg kämpft.

Toolkit der Verdammten

Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich bei fancy „Werkzeug“ ins überlegen komme, mir sowas zu holen. 20in1 und du hast keins. Früher hätte ich so etwas ohne zu zögern als sehr gute investition gesehen.
Heute ziehe ich so etwas nur mit sehr großer Vorsicht in Erwägung, denn viele dieser Tools bringen nichts, wenn ein/e Gewinde/Steckverbindung den Fuß hochreißt. Ich bin mir mittlerweile bewusst, das komplexere Dinge viel Störanfälliger sind als das ganz einfache Werkzeug. Denn wenn mir der Stiel von meinem Beil abbricht, kann ich mir mit meinem Gerber LMF2 immernoch einen guten Ast oder kleinen Baum fällen und einfach einen Ersatzstiel machen. Auf der Flucht traue ich es mir nicht zu ein Gewinde zu schnitzen, mit dem ich mein Multifunktionswerkzeug wieder zum funktionieren bringen könnte. Dazu bräuchte ich Ruhe und Zeit, Mangelware in Krisensituationen. Also lasse ich aus Vorsicht die Finger davon.

Ausgebrannt

Es spricht doch nichts gegen einen Gaskocher in der Ausrüstung, oder? Klar, ein Gaskocher ist praktisch, aufgestellt, Gas ran, anzünden und schon hat man Feuer. Aber spätestens nachdem ich den Marsch mit vollem Gewicht gemacht habe, ist mir bewusst geworden, wie ich auf dieses zusätzliche Gewicht verzichten kann.
Stundenlang mit knapp 25Kilogramm durch die Gegend zu laufen, joggen, Sprinten haben mir gezeigt, das ich lieber ein wenig Zeit in ein Feuer investiere, als das ich Volumen und Gewicht in meiner Ausrüstung verschwende. Ein Feuer machen ist halt nicht so schwer, das sich diese Rechnung rentiert.

Nutzloses

Was brauche ich für Spezialszenarien? Gasmaske, ABC-Kondom, Notstromaggregat und ähnliches habe ich immer als eierlegende Wollmilchschweine gesehen, weil es so verdammt verlockend erscheint. Elektrischer Strom ist vor allem sehr verlockend, da wir in unserem jetzigem Leben davon umgeben sind. Haushaltsgeräte, Werkzeug und Gimmicks benötigen halt auch ihre Nahrung. Und es war verdammt verlockend, mich auch in Notzeiten auf diese verlassen zu können. Dann ist mir aber mit der Zeit gedämmert: Womit tank ich die eigentlich nach? Will ich alle Nase lang mit nem Kanister Kanister losziehen um irgendwelche Autos leerzumachen? Hab ich die Zeit dann wirklich? Eher nicht. Und auch die Geräte sind zu vernachlässigen, da man Essen auch ohne Strom zubereiten kann und es auch „analoges“ Werkzeug gibt. Ebenfalls eine Rechnung die sich nicht lohnt.
Mein persönlicher Favorit bleiben aber ABC-Ausrüstung und Gasmasken. Finde ich nutzlos, denn der ABC-Anzug würde mir nur dann etwas bringen, wenn ich eine Desinfektionsschleuse zur Verfügung hätte. Ansonsten ist der gesamte Unterschlupf nach einem Tag draußen kontaminiert und dann ist man schneller tot als wenn man in seiner Wohnung geblieben und Verhungert wäre.
Gasmasken sind zwar nützlich wenn man seine Atemwege schützen will, aber ich habe weder das Know-How um mit einer umzugehen, noch könnte ich genug Filter einlagern um diese auch dauerhaft zu benutzen. Ich habe gelernt, das Gasmaskenfilter eine erschreckend kurze „Wirkungsdauer“ haben. Gepaart mit der kurzen Einsatzdauer ist auch hier wieder das Gewicht ein entscheidender Faktor, da die Ersatzfilter auch bewegt werden wollen. Mal ganz davon abgesehen, das moderne Kampfmittel eher selten etwas darauf geben ob man sie eingeatmet hat oder sie nur in Hautkontakt kommen. Die beste Gasmaske bringt einem nichts, wenn das entsprechende Gas durch die Kleidung suppt und von der Haut wie ein gieriger Schwamm aufgenommen wird.

Fazit

Ich merke schon wie sich meine Gedanken zu diversen Themen verändert haben. Ich erkenne weniger Naivität und mehr kritisches Denken in mir selber und das finde ich gut. Natürlich ist keine der erwähnten Schlussfolgerungen als allgemeine Wahrheit zu betrachten. Das entscheidet jeder für sich selber. Z.B. kann man für ne ordentliche Stange Geld bestimmt auch ein Multifunktionswerkzeug kaufen, das auch mit Gewalt nicht kaputtzukriegen ist und überhaupt nicht Störanfällig ist. Aber ich bin nicht gewillt dieses Geld auszugeben.
Ansichtssache

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