Schwieriges Thema. Aber was will man machen? Der BOB ist nicht immer in Reichweite, an den GHB (Get Home Bag) im Auto kommst du auch grad nicht ran und irgendwie musst du jetzt weg. Dein EDC gibt dir nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Dazu bist du grade noch da, wo kaum einer deine Sprache spricht.Am Arsch bist du dennoch nicht. Allerdings ist es jetzt besser, wenn du dich schön um dein Training gekümmert hast, die richtige Kleidung trägst und ein anständiges EDC am Start ist.

Abhauen, was nun?

Du hast keinen Rucksack. Dein EDC ist ein Feuerzeug, ein Billigtaschenmesserchen mit Nagelfeile und Schere und das was du an Klamotten dabei hast. Plus Portmonee, leeres Handy ohne Empfang und das wars. Aber nicht verzagen. Es gibt tausend Möglichkeiten für dich, dir entsprechende Hilfsmittel zu beschaffen oder Hilfe zu erlangen. Die Polizei kannst du auch vergessen, entweder sie ist korrupt oder sie nehmen dich fest weil du ohne Pass unterwegs bist. Oder es ist erst gar keine vorhanden. Hier in Deutschland ist das relativ unwahrscheinlich, aber wir sind kein Weltstandard. Was jetzt? Na was wohl, Aktion ist angesagt!

Ohne Rucksack zu den 5 C’s

Je nachdem wo du bist, brauchst du alles an Hilfsmitteln, das du kriegen kannst. So gering die Wahrscheinlichkeit für eine solche Situation ist, sowas kann passieren. Deshalb tragen wir für dich hier ein paar Sachen zusammen, die dir helfen die nötigen Hilfsmittel ranzukriegen:
1. Cutting Tool (Schneidwerkzeug)
Baustellen, leer stehende Gebäude, ehem. Fabrikgelände. Materialien dafür könnte alles sein, was eine brauchbar scharfe Kante kriegen kann. Dabei spielt das Material an sich kaum eine Rolle, es muss nur hart
genug sein. Flint, Glasscherben, Blechstreifen usw.. Achte darauf, das dein erwähltes Stück nicht zu groß für den Transport ist. Ein Stück Flint (Feuerstein) reicht oft aus um Schnur und Stoffe zu schneiden (z.B. um Verband zu improvisieren oder Unterkunft zu bauen). In verwaisten Gegenden kommt man oft gut an Glasscherben. Oder man hat Glück und findet irgendwo altes Werkzeug. Aber das passiert im seltensten Fall.
2. Container (Behälter)
Müllhaufen am Straßenrand, verwaiste Gebäude, Selbstbau aus Naturmaterial. Material hierfür reicht von der ollen Blechdose (falls rostig, dann ausbrennen und auswaschen) über eine Bierflasche mit selbstgemachtem Holzkorken bis zum Holzbecher. Einen Holzbecher kann man sich am Lagerfeuer machen (bitte kenne mehr als eine Methode um Feuer zu machen), indem man ein Stück Holz mit Glut entsprechend ausbrennt. Das dauert alledings seine Zeit. Auch eine lochfreie Plastiktüte kann Wasser halten. Bitte keine gefundenen Kondome benutzen. Das wäre, dem zusätzlichen Eiweißgehalt zum trotz, eher unangenehm in der Nutzung. Plane, Tüten oder Beutel können auch als improvisierter Rucksack und Sammelbehälter fungieren.
3. Combustion (Feuer machen)
Schwierig. Schnur, Stock und Brett müssten im Notfall selbst erzeugt werden. Alte, leere Feuerzeuge mit Zündstein sind sehr gut. Je mehr desto besser. Zunder aus der Natur nehmen. Birkenrinde, Holz und Rinde von Nadelbäumen, Futter aus alter Kleidung usw. funktioniert gut. Man kann zur Not auch das Benzin aus deiner Karre nehmen. Es lohnt sich übrigens, eine Fresnel-Linse und ein kleines BIC-Feuerzeug dabei zu haben. Und zwar immer.
4. Cover („Deckung“, Unterkunft)
Baustellen, Waldgebiete, verlassene Häuser, Bushaltestellen usw. Also alles was Schutz bietet. Sei aber vorsichtig, geh sicher das du nicht Anzeichen für ungewollte Mitbewohner in deiner erwählten Unterkunft findest. Bereits okkupierte Häuser sind auf jeden Fall zu meiden. Kannst du die Gegend nicht verlassen und benötigst Feuer (um z.B. Wasser abzukochen), dann so wenig und so kurz wie möglich. Und mit so viel Deckung wie es nur geht. Baustellenplane, Müllsäcke und dergleichen können als Tarp, Poncho und Schlafmatte verwendet werden. Musst du in einem Gebäude nächtigen, dann richte eine Peripheriesicherung ein und sorge für gute Isolation. Betonboden wird auch bei Plusgraden sehr sehr unangenehm kalt. Material dafür entnimmt du dem Gebäude oder der Umgebung (z.B. Müllsack oder Plane mit Laub füllen).
5. Cordage (Bindematerial)
Relativ einfach. Das Zeug ist ja praktisch überall. Vom alten Drahtzaun, über Brennnesselfasern bis hin zu aufgedröselten Stoffbeuteln lässt sich fast alles verwenden. Auch PET-Flaschen, die du in Streifen schneiden kannst. Benutze dein Bindematerial so sparsam wie möglich, versuche alles immer wieder mitzunehmen.

Tadaa – Es ist verschwunden

Sei nicht zu sehen. Nach außen hin solltest du, bis du Hilfe erlangen kannst, so unscheinbar wie möglich sein. Ein Halm im Kornfeld. Wenn du eine Nacht wo verbracht hast, lasse nichts zurück. Versuche so wenig an deiner Umgebung zu verändern wie nur möglich. Baue alles wieder zurück, was du am Abend vorher eingerichtet hast. Dies gilt insbesondere für Absicherungen. Aufgestellte Fallen können jeden erwischen, auch harmlose Tiere und kleine Kinder. Also bau auch die wieder ab. Und dann beweg dich.

Nahrung und Wasser ohne Rucksack

Sehr gefährliches Thema. Wasser ist noch relativ unkompliziert, aber in einer fremden Gegend an Nahrung zu kommen kann schon schwierig sein. Zieh dir Wasser mit irgendeinem Behälter aus alten Rohren, Pfützen oder sonstigen Ansammlungen. Abkochen nicht vergessen. Abgekochtes Wasser schmeckt exakt so, wie es riecht. Aber das ist erstmal nicht wichtig. Die Rohre sollten übrigens nicht aus Blei sein. In tropischen und subtropischen Gegenden wachsen überall Sachen die man kennt und essen kann (Kokospalmen, Mangobäume usw.). In gemäßigten Klimazonen zwar auch, aber hier spielt die Jahreszeit eine große Rolle. Mitten im Winter in den Wäldern Rumäniens verloren zu gehen ist keine so prickelnde Geschichte. Mache dich also mit der Flora und Fauna deines Zieles vertraut, bevor du dahin gehst. Plane deine Routen so, das du nie ohne Wasserquelle bist und sei umsichtig was die Tierwelt angeht. Mit einem Stock bremst man keinen Bären. Wenn es geht, dann trage immer einen kleinen Rucksack oder eine kleine Tasche mit was zu mampfen bei dir.
Das schränkt dich ja nicht ein und was zu spachteln ist immer gut. Mache dich mit verschiedenen Möglichkeiten zur Wasser- und Nahrungsgewinnung vertraut.

Signalgebung

Signalfeuer solltest du ja eigentlich schon kennen. Das wäre jetzt auch die einzige Möglichkeit, mit der man ohne elektronisches Gerät ein deutliches Signal an seine Umgebung abgeben kann. Vorausgesetzt es wird nach dir gesucht, kannst du auch bestimmte Symbole verwenden, die du in enormer Größe an gut sichtbaren Stellen positionierst. Es gibt international gültige Symbole die mit Dingen aus der Natur errichtet werden können, mit denen es deinen Rettern einfacher gemacht wird dich zu finden.Mache dich damit vertraut. Zur Not drucks dir aus und laminier das, damit du es wasserfest und sicher bei dir hast.

Selbstschutz und Absicherung

Aller Rettung zum trotz willst du vielleicht auch gar nicht gefunden werden. Warum, spielt keine Rolle. Wenn du in einer gefährlichen Umgebung unterwegs bist, dann pass dich dieser an. Trage die Kleidung der Einheimischen, verhalte dich wie sie. Trainiere weiterhin, aber nur wenn dich dabei niemand beobachten kann. Und besorge oder baue dir entsprechende Schutzmaßnahmen. Wenns drauf ankommt, dann sei damit vertraut Schutzgeräte zu improvisieren oder zu erlangen. Und lerne ausdauernd zu laufen. Wenn du weg musst, dann geht das nur wenn den anderen vorher die Puste ausgeht. Fahrzeuge können im unwegsamen Gelände abgehängt werden. Pfefferspray oder andere Chemikalien (vor allem Ammoniak) können gegen Suchhunde eingesetzt werden. Solltest du etwas von dir zurücklassen müssen, dann mache es unbrauchbar.
Und vernichte alle möglichen Geruchsspuren, die evtl. von Hunden aufgenommen werden können. Feuer und Pfeffer sind auch hier sehr nützliche Helfer.

Ein Wort zum Schluss

Gefahrensituationen sind so vielseitig wie der Mensch selbst. Am Ende zählt das, was du drauf hast, nicht was in deinem Rucksack ist. Deine Ausrüstung ist dazu da, dir bestimmte Dinge zu erleichtern. Aber sie kann deine Fähigkeiten nicht ersetzen. Deswegen ist Training ein sehr wichtiger Bestandteil deine Daseins als Prepper/Bushcrafter/Survivaler (gibts das Wort eigentlich?). Sei dir stets bewusst, das deine Fähigkeiten auch dann zählen, wenn deine Ausrüstung versagt. Ein Werkzeug kann immer stumpf werden, brechen oder verloren gehen. Das selbe gilt für Tarps, Feuerzeuge und und und…Übe mit und ohne deiner Ausrüstung. Und stelle dich auch mal unangenehmen, aber kontrollierten, Situationen. Peace.
Verschwinden ohne Rucksack – Fähigkeiten

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