Oder wie mich der Ernstfall das Leben gekostet hätte

Der Tragödie erster Teil:

Du kennst das sicher, du denkst du hast alles Wissen was du brauchst und dann macht dir die Realität einen Strich durch die Rechnung. So geht es mir auch. „Ich renne mal eben in die Alpen, stell mir ein Tarp auf und mach mir über’m Hobo was leckeres aus der Dose warm. Guter Plan.
Man sehe sich auch mal die Landschaft an. Malerisch…und verregnet. Dann bau ich mal eben das Tarp auf. Hierzu sei gesagt, das ich ziemlich gutes theoretisches Wissen habe, in der Praxis aber noch ein wenig hinterher bin. Aber okay, such ich mir zwei schöne Bäume und Knote das Seil am einen fest. So weit, so gut. Jetzt die Plane ran und am anderen Baum festzurren.
Das Ergebnis ist unbefriedigend. „Warum?“, fragst du dich jetzt. Ganz einfach, die Ösen an der Plane rutschen auf dem Seil hin und her. Dazu kommt das die Bäume zu dicht beieinander stehen und so das Tarp schlaff herunterhängen lassen. Ich muss das ganze eh abbauen, da kann ich mir ja gleich neue Bäume suchen.
Also latsch ich noch ein bisschen durch den Wald und sehe jene zwei verheißungsvollen Bäume. Sie stehen perfekt zueinander, ich kann die Wetterseite mit ihnen richtig gut schützen. Also wieder das Seil um den Baum knoten und die Plane raufziehen. Diesmal bin ich schlauer und mache um jede Öse einen Knoten. Kein Rutschen mehr möglich du ungehobeltes Stück wetterfestes Material. Dann noch schnell am anderen Baum festgezurrt und verknotet. Oh Mann, das hält ja echt gut. Jetzt mal noch nen paar größere Steine suchen…Hier liegen keine rum.
Warte mal, da plätschert doch was.Ein Bach! Vielleicht kann ich die dort lebende Nymphe darum bitten mir Steine zu schenken. Spaß beiseite der Bach wird zur Schneeschmelze bestimmt ein paar ordentliche Steine mitgerissen haben. Ist das schön recht zu haben. Und gratis dazu gibt es noch eine schöne Wasserquelle für mich. Glück gehabt, da sind gute Steine bei.
Jetzt zurück zum Tarp. Und die Knoten an den Bäumen haben auch gehalten…Was ein einfacher Doppelknoten so alles kann. Also los, dann zieh ich das Tarp mal zur Wetterseite und hau unten die Steine rauf. Es hält und der Regen läuft ab. Jetzt brauch ich noch ein Feuer im Hobo damit ich mir meine Dosensuppe warm machen kann.

Der Tragödie zweiter Teil:

Ein Glück bin ich in einem Nadelwald, Kiefern so weit das Auge reicht. Tote Nadeln auf dem Boden, eine Menge trockene Flechten an den Bäumen und einige von denen harzen schön durch die Landschaft. Zunder soweit das Auge reicht. Also los jetzt. Schön die Nadeln und Flechten auftürmen, wobei die Flechten schön im Harz getränkt sind. So sollte das mit dem Feuer eigentlich funktinieren. Eigentlich.
Dann zünd ich das Zeug mal an. Schön mit dem Ferrozeriumstab Funken schlagen uuuuuuuuund nichts geschieht. Okay, versuchen wir das noch einmal. Warum funktioniert das jetzt nicht? Theoretisch müsste das doch funktionieren.
In der Retrospektive war es wohl nicht die beste Idee bei Regen in Halbschuhen rumzurennen, denn langsam werden meine Füße klamm. Und dummerweise muss ich auch noch auf meiner Jacke sitzen damit meine Hose nicht durchweicht. Deswegen wird mir auch langsam kühl an den Armen. Gemeine Luftfeuchtigkeit ist gemein.
In Ordnung, genug Zeit vergeudet, zurück zum Feuer. Wie bekomm ich das jetzt zum Brennen? Ersteinmal mehr Harz holen und in den Zunderhaufen hauen. Und jetzt die Geheimwaffe eines jeden Rauchers, das Feuerzeug. Siehe da es brennt, also halte ich das vorsichtig am Brennen. Vorsichtig pusten für den Sauerstoff. Das sieht jetzt echt gut aus. Warum geht es schon wieder aus? Ich bekomme einen Anfall. Wieder anzünden, diesmal mit Papier als zusätzlicher Zunder. Es brennt, es brennt und es ist aus. Nicht aufgeben, immer weiter versuchen.
Nach drei Stunden vergeblichen Versuchen ein Feuer zu entfachen und anzubehalten gebe ich es auf. Es kam nur eine vor sich hinqualmende Glut heraus, aber kein Feuer. Mir ist langsam ernsthaft kalt und obwohl ich durch das Tarp vor dem Regen geschützt bin setzt mir die Luftfeuchtigkeit ohne Jacke ernsthaft zu.
Jacke anziehen, den kleinen Räucherofen, in dem ich eigentlich ein Feuer haben wollte, auskippen und die kaum existierende Glut auf dem Nassen Moos austreten. Den ganzen Mist in den Rucksack werfen…der Rucksack. Warum habe ich mich nicht auf den Rucksack gesetzt und die Jacke anbehalten? Ich sehe manchmal echt den Wald vor lauter Bäumen nicht.
So hat mich die Natur also bezwungen. Ich gehe gesenkten Hauptes zurück in meine warme Unterkunft. Wie ich dann später wieder herausfinde, waren Flechten eine sehr schlechte Idee da diese selbst bei Luftfeuchtigkeit schon zu nass werden zum brennen. Das nächste mal nehme ich besser das Kernholz aus frischen Kiefernästen.
Wäre das eine Situation gewesen wo es um mein überleben ginge, wäre ich erfroren.

Der Theoretiker

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