Obdachlos sein kann ziemlich nerven.
Scheiß Wetter, schlechtes Essen, keine Unterkunft (hahaha – nicht), immer die
selben Klamotten und wirklich Hilfe hat man auch nicht.
Also muss man selbst zurecht kommen. Oder halt assi werden.

Wie man sich bettet so schläft man

Die erste Nacht ohne Ausrüstung (gestohlen) hab ich auf einer Bank an einer Brücke verbracht.
Kein Schlafsack, nich‘ mal ne Decke oder sowas. Einfach auf die Bank gelegt
und gehofft, das ich irgendwann wegknacke. Is‘ nich‘ passiert. Eine der beschisseneren Nächte
in meiner Laufbahn als zielloses Etwas.
Am Tag darauf brauchte ich was zu mampfen. Macht sich nur schlecht, wenn
man vor lauter Müdigkeit ständig droht, im Stehen einzupennen. Irgendwie hab ich dann den
Tag doch noch durchgedämmert, abends wurde ich dann wieder wacher. Das lag aber an der
Kälte, nich‘ am rumdämmern. Meine Gelenke waren steif, trotz Bewegung. Und ständig knurrte
mir der Magen. Fuck. Was mach ich jetzt?

Gut gemopst ist halb gemampft

Erste Priorität war jetzt Gemampf heranzuschaffen. Nur woher? Man geht ja nich‘ einfach in
ein Geschäft, greift ins Regal und flitzt von dannen. Also hab ich gewartet, bis es duster
genug war. Unterwegs zu ein paar Kleingärten bin ich an einer Baustelle vorbeigeeiert.
Plane und Schnur wurden stibitzt. Besser als nix. Am ersten Kleingarten lang, auf zu
Nummer drei und vier. Zwei volle Apfelbäume und paar Kartoffelpflanzen waren auch noch im
Boden. Entweder die Besitzer waren faul oder hatten keinen Bock mehr. Danke dafür übrigens,
euer Zeugs hat mir hervorragend gemundet. In ’ner Mülltone hab ich ’ne Blechdose klargemacht.
Nahe des Stadtrandes waren Abrisshäuser zu sehen, also stieg ich da ein und machte es mir
bequem. Wenn man obdachlos ist, ist die Möglichkeit zu wählen sehr gering. Man nimmt was da ist.

Feuer und Wärme

Das Haus war ein Zweigeschosser. Wohl sowas wie n Bürogebäude oder so gewesen. Teppichboden,
Teile des Mobiliars waren vorhanden und auch aus Holz. Ich hätts schlechter treffen können.
Jetzt hieß es, Feuer zu machen ohne das mans von außen sieht. Das is‘ nich‘ ganz einfach,
wenn man bedenkt, dass das menschliche Auge ’n Lagerfeuer noch aus 20 km Entfernung ausmachen
kann. Ich hab lange gehadert, weils schon spät war und rohe Kartoffeln doch nich‘ so mein Ding sind.
Schlussendlich hab ich Türen ausgehangen und Tische umgekippt und zu einer Art „Sichtschutz“
zusammengestellt. Dann die Dose genommen, Löcher reingepiekst (Leiste mit Nägeln sei Dank)
und das Teil dann wie einen Feuerkorb benutzt. Bisschen angeheizt, meine Beute auf ’n Stück
Holz gepiekst und gebrutzelt. Es ging dabei nich‘ so um den besseren Geschmack. Feuer und warmes
Essen, wenns auch scheiße schmeckt, haben einen erhaltenden psychologischen Effekt.
Danach hab ich die gemopste Plane auf ein paar Schichten ausgerissenen Teppich gelegt und geknackt
wie ein Baby.

Obdachlos =/= Hilflos

Den Tag darauf musste ich flitzen. Sicherheitsdienst. Und wie mir schien waren die Herren nich‘ so
begeistert von meiner Besetzeraktion. Also Zeugs zusammengerefft und Abgang.
Außerhalb der Stadt war nun das Erlangen von ausrüstiger Ausrüstung zu erledigen. Ich brauchte irgendwas
scharfes, halbwegs stabiles. Aber was? Erstma hat ’ne Scherbe gereicht. Damit macht man sich zwar
kein Feuerholz klein, aber zum Schnur schnibbeln reicht das allemal.
Ein paar Äste und besagter Bauzwirn gereichten mir zum Tragegestell, Dose in die Plane, Scherbe in die
Tasche und Zeugs dann auf den Rücken. Jetzt musste ich mir nur noch Gedanken machen, wie ich zur
nächsten größeren Ortschaft komme. Am besten ’ne große Stadt. Je größer nämlich die Stadt, desto
einfacher ist es, an Kleidung und Ausrüstung zu kommen. Auch als zielloses Etwas.

Obdachlos

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