Der Autor in voller Montur und mit aufgesetztem Rucksack.

Flucht sollte immer die letzte Option sein, wenn mal irgendwas schief läuft und
man in den eigenen vier Wänden ist. Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein.
Der offensichtlichste Grund ist natürlich Feuer, würde man bleiben hätte mans
schön warm, allerdings ist ein verbrannter Arsch nicht wünschenswert. Dann geht man lieber.

Allerdings niemals ohne klares Ziel.

Vorbereitung ist alles – Bereit zur Flucht

Egal ob du in einem Gebiet lebst, das von Überschwemmungen heimgesucht werden kann oder  in einem Dritte-Welt-Land als Journalist unterwegs bist, Kleidung ist alles.
Mit den richtigen Klamotten und guten Schuhen kommt man sehr schnell sehr weit.
Du brauchst gute Schuhe, sie sollten fest sein und auch mal einen richtigen Tritt aushalten.
Alles andere muss der Umgebung angepasst sein. Für unsere mitteleuropäischen Verhältnisse reicht meist eine Kombination aus langer Hose, den Temperaturen entsprechender Unterwäsche und einem Oberteil das seinen Zweck erfüllt. Im Sommer kann das ein kurzärmliges Shirt oder Hemd sein, im Winter eher ein Pullover mit Jacke drüber. Als Socken empfehlen sich übrigens im Winter welche aus echter Schurwolle. Die halten warm ohne Schweißfüße zu riskieren.

Klamotten

Deine Klamotten sollten ihrem Zweck entsprechen. Eine Hose aus festem Material mit Seitentaschen

tut hier mehr als eine Jogginghose. Bewegungsfreiheit ist wichtig, deswegen sollte die Hose
auch entsprechend weit geschnitten sein. Hol dir noch einen guten Gürtel dazu, Hosenträger sind
auch nicht schlecht. Ich habe beides, so kann ich meinen Gürtel zur Not rausziehen und ihn als Tourniqet missbrauchen.

Rucksack des Autors. Im Fluchtfall ist die Isomatte mit einem Tuch abgedeckt.

Oberteile sollten ebenfalls etwas aushalten und dich gegen das Wetter und andere äußere Einflüsse schützen. Eine gute, winddichte Jacke ist noch besser wenn man sie erstmal imprägniert hat. Schuhe, bzw. Stiefel müssen festes Obermaterial haben. Leder hat sich hier für mich bewährt.
Tacticoole Combatstiefel sehen zwar toll aus und werden oft spektakulärst beworben, Arbeitsstiefel sind aber oft die bessere Wahl. Sie sind oft nicht nur günstiger sondern müssen auch wesentlich mehr aushalten. Ausserdem sind die einzelnen Schutzklassen als solche genormt. Man weiß also, was man da kauft. Tauscht die Schnürsenkel gegen Paracord aus, das Zeug reißt nicht so schnell.

Handschuhe werden oft vernachlässigt. Allerdings sollte man welche dabeihaben. Nicht nur als Handwärmer, sondern auch als Schutz für die Hände, wenn man mal ran muss. Auch hier hat Leder viele Vorteile gegenüber den Plastepatschern. Arbeitshandschuhe aus Leder kann man günstig im Baumarkt kaufen, sie dienen dem Zwecke und wiegen nicht viel.

Kopfbedeckung und Schals können in kaltem Wetter die Rübe warm und bei Hitze den Deckel kühlen. Ob man Kopftuch oder Mütze nimmt ist dem persönlichen Geschmack vorbehalten. Für mich hat sich beides bewährt, wobei ich ein Bandana oft eher als Schal trage. Oder wenns zu warm ist einfach in eine Tasche stecke.

Unterwäsche muss ebenfalls eine gut überlegte Investition sein. Unterhosen verhindern das man sich wund läuft, Sport-Bhs sind im Fall der Fälle sinnvoller als son geiles Teil mit Spitze. Lange Funktionskleidung hält gut warm ohne das man sich in den Klamotten totschwitzt. Alles sollte mal zur Probe getragen werden, benutzt die Sachen einfach hin und wieder. Gewöhnt euch dran und guckt, womit ihr am besten klarkommt.

 

Erträglicher Träger

Als nächstes kommt der Rucksack dran. Er muss sich tragen lassen können. Auf Tarnfarbe solltet ihr aber

verzichten. Komischerweise reagieren die Leute mehr auf Tarnrucksäcke als auf Tarnkleidung.
Ich habe mich damals bewusst für einen ALICE-Packframe entschieden, auf den ich dann einen Rucksack
vom Österreichischen Bundesheer angebracht hab. Da kommt dann ein vollständiger 5-C-Kit rein.
Geht in ein Fachgeschäft und sucht nach einem Rucksack mit dem ihr klarkommt. Lasst euch dabei Zeit,
lasst euch beraten aber nicht volllabern und wenn da nix bei ist, geht halt zum nächsten Geschäft.
Es muss dabei nicht der geilste Rucker für 500 Eier sein. Meiner hat mit allem (Frame + Rucker + Gurte)
knapp 60 Euro gekostet und den würde ich gegen nix wieder eintauschen.

Der Kit

Verschiedene Schneidwerkzeuge aus dem BOB des Autors.

Ich erwähnte ja schon den 5-C-Kit: Combustion (Feuerkrams), Cordage (Schnur, Bindematerial) Cutting Tools(Schneidwerkzeuge), Container (Behälter) und Cover (Tarp, Schlafsack und sowas). Die Wörter müssen hier nicht unbedingt direkt übersetzt werden sondern sind eher als Kategorien zu sehen. Legt euch einfach die Ausrüstung die ihr braucht entsprechend dieser Einteilung in den Rucksack. Guckt das nichts klappert oder glänzt. Und vor allem, packt euch nicht mit Zeug voll, das ihr nicht braucht. Dazu besorgt euch noch eine oder zwei Möglichkeiten Wasser trinkbar zu machen und einen Erste-Hilfe-Kasten. Die für PKW sind günstig und gut. Packt noch die Medikamente die ihr für euch braucht dazu. Also sowas wie Insulin oder Antiallergika.
Ein Tourniqet und eine Israeli-Bandage sind auch nicht unbedingt verkehrt, vor allem dann wenn man aufgrund
der Umgebung mit der Gefahr größerer Verletzungen leben muss. Und packt euch eine Taschenlampe mit Kurbel ein.

Gemampf und Gesöff

Macht bloß nicht den Fehler und holt euch diese widerlichen, völlig überteuerten EPA oder MRE. Die Dinger sind das letzte Zeug und meistens nur Geldschneiderei. Packt euch das Zeug selbst. Guckt was haltbar und transportierbar ist, je weniger Wasser ihr für die
Zubereitung braucht, desto besser. Müsliriegel, Thunfisch in Dosen, Frühstücksfleisch, Trockenfleisch, Brausetabletten (tretet die Inhaltsstoffe in die Tonne, aber immer Wasser is auch meh), bisschen Schokolade oder sowas. Sollte erstmal ausreichen für drei Tage. Packt die Sachen so, das sie nicht kaputt gehen können.
Und nehmt euch ne Rolle Gefriertüten mit Verschlussclips extra mit. Wenn ihr z.B. von Knirr die Spagettorias habt, dann könnt ihr so einen Beutel einfach aufreißen, mit etwa 400 ml kochendem

Komplettes Kochset. Die Brennwürfel unten links werden aus Watte und Paraffin gemacht und können auch feuchtes Brennmaterial entzünden.

Wasser aufgießen und gut umrühren. Zehn Minuten warten und fertig ist das Futter. Wenn man nicht alles essen will oder nicht alles schafft, kommt die Tüte in eine Gefriertüte und die wird zugeclippt. Wärmt die Hände und man kanns unterwegs auch noch essen. Wasser sollte immer in ausreichender Menge vorhanden sein. Insofern ihr genug Behälter habt geht das auch, bedenkt aber, das jeder Liter ein zusätzliches Kilogramm ist, das ihr tragen müsst. Wir haben pro Rucker zehn Liter dabei. Den Rest holen wir uns unterwegs. Abkochen und Filtern lautet hier die Devise. Besorgt euch ruhig auch so einen kleinen Stellschlüssel für Wasserleitungen. Das macht Vorräte auffüllen unwahrscheinlch einfach in einer urbanen oder suburbanen Umgebung.

Letzte Worte

Meidet Hauptstraßen, benutzt Fahrzeuge nur wenn ihr damit auch umgehen könnt und die Straßen frei sind.
Geht direkten Konfrontationen aus dem Weg, haltet euch von Menschenansammlungen fern. Stadtgebiete sollten umgehend verlassen werden. Ländliche Gegenden sind vergleichsweise sicherer. Bewegt euch durch unbekanntes Gebiet nur, wenn ihr seht wo ihr hinlatscht. Und seid keine Helden. Helden bleiben nämlich nicht am Leben. Bleibt möglichst uninteressant. Ich kenne jemanden, der eine Gitarrentasche als BOB benutzt, er hat dafür aus Holz einen Innenrahmen gebaut. Wenn der mit dem Ding rumrennt und dazu seine Ushanka trägt, sieht er aus wie der letzte Knopf an der Jacke. Den würde keiner für voll nehmen. Und so solls sein. Denkt dran, ihr könnt Waffen und Ausrüstung noch und nöcher haben, im Endeffekt reicht eine falsche Entscheidung und ihr seid am Arsch. Apropos: Trainiert regelmäßig, esst keinen Scheißkram, übt eure Fertigkeiten regelmäßig,
kennt eure Ausrüstung und wisst sie zu nutzen. Und entwickelt auch das Selbstvertrauen Entscheidungen zu fällen. Alle Kleidung, Waffen, Ausrüstung dient nur als Unterstützung, wenns drauf ankommt spielt das ganze Zeug keine Rolle mehr. Nur was ihr auch könnt zählt. Und haben ist nicht können. Also übt.

Auf der Flucht

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