Wer ist BOB?

Der BOB (Bug Out Bag) ist das A und O wenn es um Flucht geht. Stell dir vor du bist am Arsch und hast keine Zeit zu packen. Alles geht den Bach runter, es brennt, von einer Seite kommen Zombies, von der anderen deine Schwiegermutter und am Horizontist schon die Horde zu sehen. Du darfst nur eine Sache mitnehmen.Und dich anziehen, falls du grade nicht angezogen bist. Und diese eine Sache ist der BOB.

Grundlagen

Die Grundlagen sind relativ einfach abzudecken, wenn man sich einen BOB basteln will – die 5 C’s of Survivability.

  •  Container (Behältnisse)
  •  Cover (Deckung, Kleidung, Unterkunft)
  •  Cordage (Bindematerial)
  •  Cutting Tools (Schneidwerkzeuge)
  •  Combustion (Entzünden, Wärme, Licht)

Drumherum um diese fünf Kategorien kannst du dir dein eigenes Überlebenssystem bauen. Wunder dich ruhig, die meisten Sachen hast du dafür schon zuhause.

Behälter die halten

Der erste Behälter sollte dein Rucksack sein. Was für einer das ist, musst du selbst rausfinden. Ich empfehle nicht irgendwelche reißerisch beschriebenen Möchtegern-Militärrucksäcke zu benutzen. Ich hab selber einen ALICE-Frame mit einem Rucksack vom österreichischen Bundesheer verbunden und mir so was eigenes geschaffen.Ausserdem ist an meinem Frame der Hüftgurt gegen einen besseren ausgetauscht worden. Wenn du einen Rucksack suchst, dann geh in ein Fachgeschäft für Trekking-Ausrüstung.Probiere diverse Rucksäcke auf, achte aber darauf, das sie folgende Kriterien erfüllen:

  • Tragegestell innen/außen (verteilt Gewicht besser und gibt mehr Halt)
  • Polsterung (gute Rückenpolsterung und breite, starke Gurtpolster sind wichtig)
  • Regendichtigkeit (ohne Worte, wasserdichte Rucksäcke gibt es nicht)
  • Reißverschlüsse (stabile, gut gehende Reißverschlüsse, die nicht klimpern)
  • Nähte (doppelte Nähte, starker Zwirn, Stoff muss die Naht auch halten)
  • Gurte (nicht mehr als nötig, stabiles Material, keine Materialfehler)
  • Schlaufen (auch hier nicht mehr als nötig, evtl. größenverstellbar)
  • Fächer (gut ist Haupftfach, Schlafsackfach, zwei große Seitenfächer, ein Oberfach)

Dann kommt zu deinem ersten Behälter noch dein Kochgeschirr. Hier solltest du abwägen, was du haben möchtest. Alu ist leicht aber auf Dauer im nicht eloxierten Zustand ungesund, Edelstahl ist schwerer aber wesentlich stabiler als Alu. Titanium ist leicht, stabil und schweineteuer. Sieh zu das du eine Metallflasche mit Weithalsverschluss rankriegst.Töpfe und Flaschen sollten für eine Person mindestens einen Liter fassen. Weitere Behälter sind: Aufbewahrungsboxen für Kleinkram (Kunststoff), Gefrierbeutel (halten kochendes Wasser aus), Pillendose für Streichhölzer usw.

Volle Deckung

Deckung ist wichtig. Gemeint ist hier aber nicht die harte Deckung gegen Beschuss, sondern die Deckung die man gegen schlechtes Wetter und andere Einflüsse braucht. Dazu gehört z.B.ein gutes Tarp. Du kannst eine Baumarktplane nehmen, plus Schnüre, plus Zeltnägel. Aber erwarte nicht zu viel von den Ösen. Oder kauf dir gleich ein richtiges. Ich benutz die NVA-Plane schon seit Jahren und bin zufrieden. Sie ist günstig, stabil und vielseitig, aber schwer.
Kleidung und Schlafsack/Isomatte gehören ebenfalls in diese Kategorie. Sieh zu das du einen warmen Schlafsack kriegst, drei Jahreszeiten sollten ohne Probleme drin sein. Dazu hol dir dann noch eine gute Isomatte und ein Inlay aus Filz. Damit sollten dann auch mittlere Winter gut zu machen sein. Das selbe gilt für die Klamotten: keine auffälligen Muster oder Farben, nicht mehr Taschen als nötig, Knöpfe statt Reißverschlüsse, stabiler Stoff, gute Nähte mit starkem Zwirn. Schuhe oder Stiefel sollten ebenfalls stabil sein, Synthetik oder Leder ist hierbei wohl Geschmackssache. Ich benutze Arbeitsschuhe und bin damit sehr zufrieden. Unterwäsche sollte Schweiß nach außen leiten und auch feucht noch isolieren.

Eine gute Bindung

Bindematerial (Cordage) ist hier als Kategorie im weitesten Sinne zu verstehen. Eine Rolle Paketschnur (Naturfaser), eine Rolle Panzertape, ein paar Stangen Heißkleber, das obligatorische Paracord, starkes Seil, Bankline (Sattlerzwirn). Paketschnur kann als Wickelkram für Kleinzeug herhalten, dann kannst du dein Paracord ganz lassen. Mit Bankline kann man nicht nur nähen, man kann damit auch Pfeile befiedern oder Fangschlingen für Kleintiere (in Deutschland illegal) herstellen. Bindedraht wäre hier evtl. für dich auch eine Option, das Zeug ist billig und hält was aus.

Trennen und Perforieren

Das sind die beiden Haupteigenschaften, die jedes gute Messer haben muss. Lass dich hierbei nicht von Terminiwie „Survival Outdoor “ oder „Special Forces Combat“ irreführen. Such dir ein Messer, das du auch zweimal beihaben kannst, das günstig ist und dennoch stabil und gut anschärfbar. Die Scheide sollte sich problemlos anlegen und abnehmen lassen. Wenn du eins gefunden hast, schleif den Klingenrücken scharfkantig an, damit lässt sich dein Ferocerium-Stab gut anreißen. Ein gutes Messer macht sich nicht zwangsweise durch den Preis aus. Vielmehr suchst du nach etwas, mit dem du schnitzen und schneiden kannst. Der Griff sollte gut in der Hand liegen, ein Knebel sollte vorhanden sein um deine Hand gegen abrutschen zu sichern. Idealerweise hat das Messer einen Vollerl, oder zumindest geht dieser komplett durch den Griff durch und ist nicht so ’n dürres Scheißding.In diese Kategorie fallen auch Beile, Sägen, Macheten, Bolzenschneider und Bohrer. Handbohrer können dir den Bau einer dauerhaften Unterkunft erleichtern, Klappsägen sind leicht und sicher verstaubar. Bolzenschneider geben Zugriff auf ganz neue Möglichkeiten.

Die einzig wahre Entzündung

Ist nicht die Entzündung deiner Nebenhöhlen. Sowas ist uncool. Viel cooler ist es, wenn du dir nicht den Arsch abfrieren und dein Essen kalt runterwürgen musst. Bau dir einen Feuerkit zusammen:

  • Feuerzeuge (Captain Obvious empfiehlt Bic 3x)
  • Zunder (Pyrolysezunder, paraffingetränkte Watte)
  • Zunderbüchse (Blechdose mit Deckel, Deckel hat ein kleines Loch)
  • Fresnel-Linse (starke, biegsame Kunststofflinse)
  • Ferocerium-Stab (Funkt unter allen Umständen)

Bewahre die drei Feuerzeuge nicht in deinem Kit auf. Eins kommt in die Hosentasche, eins in die Jackentasche und eins in den Kit. Du solltest in der Lage sein mindestens drei Möglichkeiten zum Feuermachen zu haben und diese zu beherrschen. Nichts ist schlimmer als sich zu Tode zu frieren, weil es geregnet hat und Nachts arschkalt ist. Ok, Ertrinken vielleicht.Trotzdem, kaltes Essen und kalte Umgebungen können dich fertig machen. Feuer ist wichtig.

Was noch?

Nahrung und Wasser natürlich. Für mindestens drei Tage. Guck, das du ein gutes Mittelmaß an Nährstoffgehalt, Haltbarkeit, Gewicht und Zubereitungszeit hast. Für mich hat sich ein Mix aus Dosenthunfisch, Clif-Bars, Studentenfutter, Reis, Pemmikan, Trockenfleisch und Brausetabletten (immer nur Wasser ist meh) als nützlich erwiesen. Das kann aber für jeden anders sein. Nudelzeugs aus der Tüte lässt sich übrigens in der Tüte zubereiten. Tüte aufmachen, 400 ml kochendes Wasser reinkippen, gut umrühren, Tüte zurollen und zehn Minuten abwarten. Essen ist fertig. Wenn du in ’ner kalten Umgebung bist, kannst du deine Tüte auch in eine Hülle aus Eisschutzfolie (die für Windschutzscheiben)rein tun.

Wichtige Extras

Ein EHK darf natürlich nicht fehlen. Nimm eine Verbandtasche für PKW, die kriegt man für’n schmalen Taler im Discounter. Jetzt tu noch entsprechend deiner Bedürfnisse Medikation dazu, guck das du noch Desinfektionsmittel und Nahtmaterial oder Steristrips rankriegst. Ein Splint ist evtl. auch nicht verkehrt, lern aber den Umgang damit. In Sachen Erste Hilfe ist ein IFAK für jeden immer sehr gut: Tasche mit Tourniquet, Uriel-Bandage, Israeli-Bandage, großer Verbandmit Kompresse, Heftpflaster (oder Panzertape), Handschuhe, Trachealkanüle (Tracheostoma, üben), Chest Seal, Dreieckstuch, Einweg-Skalpell. Üb damit. Zuletzt brauchst du auch noch Nähzeug und Reparaturmittel. Wenn du einen Bogen oder sowas bei hast, wären Ersatzfedern, Spitzen, Ersatzsehne und Wachs nicht verkehrt. Ein Schleifstein für dein Werkzeug. Eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien oder Kurbeldynamo.Wenn du kannst und hast, natürlich auch Kommunikationsmittel. Ein Wasserfilter kann auch sehr nützlich sein.

Fazit – Brauchst du BOB?

Ein BOB ist für jeden anders. Die Grundlagen sind aber überall die gleichen. Sorg dafür, das du damit für mindestens drei Tage autark unterwegs sein kannst, ohnedir Gedanken über Nahrungsmittelbeschaffung oder Wasser machen zu müssen. Und nimm keinen unnützen Scheiß mit. Im IFAK brauchst du keine Blasenpflaster, dein Messer braucht keine Rückensäge und du brauchst keine Tarnklamotten. Aber du brauchst Wärme, Essen, Wasser und Schutz. Waffen sind ebenfalls nachrangig. Klar kannst du dir ne Knarre besorgen oder sogar bauen. Aber du sollst nicht kämpfen, du sollst abhauen. Und ich hab noch keinen kennen gelernt, der einer Überflutung mit dem Feldspaten beigekommen ist. Wenns aber dazu kommt, hast du von so schon genug Werkzeuge bei dir, die sich fürs Verteidigen eignen (Beil, Messer). Denk darüber nicht zu sehr nach, zuerst kommt die eigene Versorgung mit allem anderen.

 

BOB – dein Freund in der Not

Comments

comments

Das könnte dir auch gefallen

Schreibe einen Kommentar