Wir haben einen chinesischen Klon vom Glock Feldmesser 78 abgegriffen.
Das Teil hat 17 Euro gekostet. Also dachten wir, wir lassen es auf einen Versuch ankommen. Das Ergebnis hat uns mehr als überrascht.

Das original Glock FM 78

Das FM 78 von Glock ist ein direkter Nachfolger vom Dolchmesser Muster 1917. In den 1970er Jahren wurde es als Bajonett und Einsatzmesser in Zusammenarbeit mit dem Jagdkommando des Bundesheeres entwickelt.
Vorgabe im ausgeschriebenen Wettbewerb war die Entwicklung eines funktionalen Kampfmessers, das auch als Werkzeug verwendet werden konnte. Die Firma Glock hat sich durchgesetzt, u.a. deshalb weil das FM 78 so stabil ist, das man es sogar werfen kann ohne es zu beschädigen.

Das China-Glock-Messer

Maße:
Gesamtlänge (in Scheide): 30 cm
Breite (Scheide): 3,3 cm
Dicke (Griff + Gürtelhalter): 4 cm
Gesamtlänge (ohne Scheide): 29 cm
Klingenlänge: 16,5 cm
Klingenbreite: 2,2 cm
Materialstärke der Klinge: 5 mm
Grifflänge: 12,5 cm
Griffdurchmesser: 3 cm
Die Scheide ist wie der Griff, aus einem nicht näher beschriebenen gegossenem Kunststoff und leicht flexibel. Der Griff selber liegt sehr gut in der Hand. Das Parierstück sitzt fest und wackelt nicht. Im Gegensatz zum Original hat der Klon keine abschraubbare Kappe am Griffende. Die Klinge ist aus einem nicht  genau bezeichneten „Stainless Steel“ – ich nehme an irgendein 420er wirds schon sein.
Alles in Allem macht das Teil einen erstaunlich stabilen Eindruck. Wie sich nach dem Wurftest herausstellen
sollte ist dem tatsächlich auch so.

Schnitzen und Kerben

Es geht. Die relativ starke Klinge ist mit ihren 5 mm Dicke
nicht dazu geeignet ganz feine Arbeiten zu erledigen.
Durch die gute Handlage und ein ordentliches Ricasso lässt sich das Messer sehr präzise nutzen. Holzinkerben ist relativ einfach, der Stahl lässt eine gute Arbeitsschärfe zu. Ich musste das Messer während des gesamten Tests nicht einmal nachschärfen.

Batoning

Eigentlich rate ich immer davon ab, sein Messer zum spalten von Holz zu
verwenden. Der Stress dem die Klinge dabei ausgesetzt wird ist nicht bloß für die Klinge gefährlich sondern auch für einen selbst. Sollte man mal daneben hauen oder die Klinge bricht, ist eine ernsthafte Verletzung nicht weit. Gemacht haben wirs trotzdem, an einem Stück Birkenholz. Hat anstandslos geklappt. Die Klinge ließ sich schnell durch das Holz treiben, auch etwas gewaltigere Schläge hält das Messer problemlos aus.

Querbelastung

Das originale FM 78 hat den Ruf eine geschärfte Brechstange zu sein. Nun, selbiges gilt auch für den Klon.
Tatsächlich hat sich die Klinge quer nicht verformt oder auch nur geschwächelt. Getestet wurde mit Hantelplatten. Zwei Stück, auf einer habe ich drauf gestanden, das Messer war dazwischen eingeklemmt und ich hab am Griff gezogen.
Nichts. Keine Verformung, weit entfernt davon zu brechen.

Wurftest

Das nachgemachte Glock-Messer lässt sich werfen. Beim Wurf ist mir jedoch
etwas dummes passiert: Es hat den Griff entschärft. Er war einfach ab. Ich dachte erst noch, die Klinge sei abgebrochen aber Fehlanzeige.
In Wirklichkeit ist der Erl aus dem Griff gerutscht, bei der Herstellung hat man wohl den Kleber vergessen.
Hier fiel uns auch auf wie lang der Erl ist und wie tief er wirklich im Griff ist. Tiefer als beim Original, was auch die gute Stabilität erklärt. Mit einer kleinen Schraube und ein bisschen Abmessung konnte das Problem beseitigt werden. Jetzt bleibt der Griff an der Klinge.

Graben

Messer zum Graben zu verwenden ist eigentlich abwegig. Aber gemacht haben wirs trotzdem. Es geht. Die Klinge ist grade breit genug um als Buddelwerkzeug für kleinere Löcher herzuhalten. Es funktioniert also. Nur war das Messer danach sehr, sehr stumpf. Aber das wäre wohl bei jedem anderen Messer so gewesen.

Fazit

Wer sich ein Glock Feldmesser kaufen möchte und sich nicht sicher ist, der nimmt das hier und vergeknuspert es bis zum Erbrechen. Ich war nach dem Test dermaßen überzeugt, das ich tatsächlich überlege noch mal ein echtes Glock Messer zu holen. Wobei mir aber grade nicht einfällt worin das noch wesentlich besser sein sollte. Das Chinesen-Glock ist sehr gut verarbeitet, für 17 Euro kann man eigentlich gar nicht erwarten das sowas der Fall ist. Wir sind mit dem Ergebnis mehr als zufrieden und können hier nur eine absolut taktische Atzenempfehlung aussprechen.
Glock-Klon-Test

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