Es gibt viele Arten von Preppern und ebenso viele Arten sich auf eine Katastrophe vorzubereiten. Die meisten aber haben eines gemeinsam. Den BOB, oder Bug out Bag.
Wir haben ja schon mehrfach darüber geschrieben was man an Werkzeug, Nahrung und Wasser dabeihaben sollte.
Heute beleuchten wir das aber mal von einer anderen Facette.

Ich hab den BOB. Und nu?

Ein Prepper der einen BOB vorbereitet hat, hat meistens auch ne grobe Ahnung wo er hin möchte wenn die Fäkalien in den sprichwörtlichen Ventilator knallen. Ist zumindest empfehlenswert.
Aber auch die Route ist nicht der komplette Rest. Denn jede Vorbereitung in materieller Hinsicht, Nahrung, Wasser und Werkzeug, ist egal wenn man es nicht bewegt bekommt.
Es ist schön wenn man genug von allem hat, aber nicht das wortwörtliche „Bug Out“ hinbekommt.
Man muss seinen Körper auch darauf vorbereiten, denn die Einstellung allein bringt einen nicht sehr weit.

Was also tun?

Training, Training und noch mehr Training.
Im Fernsehen sieht man ja öfters die Klischeeprepper:
Bürojob und ohne körperliche Fitness.
Die erzählen dann stolz wie viel sie an einem Tag an Strecke machen können.  Ironischerweise sind sie meistens schon vom Gang zum BOB im Keller ausser Puste.
Bei gutem Handling wiegt ein BOB zwischen 20 und 30Kg. Wenn man nun also schon von ein paar Schritten im wohltemperierten Haus ausser Atem ist, wie will man dann dieses, doch beachtliche, Zusatzgewicht über 0Km bewegt bekommen? Mit Motivation?
Eher nicht.

Marsch wie beim Wehrdienst

Man lernt das Gewicht nur zu beherrschen wenn man mit diesem kämpft. Und es ist ein Kampf. Aber nicht nur lernt man so mit dem Gewicht umzugehen, sondern hat auch noch andere Vorteile, z.B. erkennt man:
–  Makel an der Ausrüstung(Schuhwerk, Rucksack, Gewichtsverteilung im Rucksack)
–  effiziente Fluchtrouten(einprägsame Wegpunkte, stark frequentierte Straßen)
–  Stärken und Schwächen der eigenen Gruppe oder der eigenen Person
–  die optimale Pausen-/Marschratio
Wenn man diese Dinge schon im Vorneherein kennt, muss man sie nicht erst auf die harte Tour lernen wenn die Katastrophe kommt.
Und dies hat unsere kleine Gruppe diesen Sonntag getan. Und da dachten wir, wir lassen euch mal an den entstandenen Erfahrungen und Eindrücken teilhaben.

Erkenntnisse

Heute war meine erste Tour und ich hab ne ganze Menge gelernt. Ich habe erkannt was gut und was eher schlecht war. Wir sind von einem BOB-Gewicht von 25Kg ausgegangen und haben dies mit durch die Zuhilfenahme von Wasserkanistern und Hantelplatten erreicht. Also rauf auf den Rücken und los gehts. Die ersten 200Meter sind definitiv eine interessante Erfahrung, mit dem Beigeschmack von:
„Das geht ja“, gewesen. Oh, wie schnell sich das geändert hat.
Der Tragödie erster Teil
Ich habe ein Assault Pack eines namhaften Herstellers für mich verwendet. Im täglichen Gebrauch, oder für bulligere Typen wäre das wahrscheinlich ein guter Rucksack. Aber für mich hat es sich als BOB nicht durchgesetzt. Nach den ersten 20Minuten, inklusive leichten Joggens, Kriechen und einfach mal so fallen lassen hat sich gezeigt, das mir trotz guter Gurteinstellung die Hantelplatten in den unteren Rücken gedrück und sich die nur mäßig gepolsterten Schultergurte sehr ausdauernd durch meine Schultern gefräst haben. Alles in allem war das keine angenehme Erfahrung.
Der Tragödie zweiter Teil
Bei gewissen Aufgaben zwischendurch zeigten sich bei mir auch starke körperliche Defizite. Beim Kriechen hab ich mir das Gesicht mit Erde paniert. Lecker, vor allem wenn da überall ein Hundehaufen hätte sein können. Auch schnelleres Tempo wurde schnell ein Problem, da sowohl meine Schultern als auch meine Beine nicht an dieses zusätzliche Gewicht gewöhnt sind. Da wurde das Joggen schonmal sehr schnell zur Qual.
Als es dann daran ging ein potenziell verletztes Gruppenmitglied aus einer Gefahrenzone zu tragen war es für meinen Körper endgültig zu viel. Trotz intensiver Bemühungen habe ich es nicht geschafft und hätte somit im Ernstfall für schwerwiegende Konsequenzen gesorgt.
Fazit
Ich habe festgestellt das ich einen ordentlichen Trekking/Wanderrucksack benötige. Die schlechte Gewichtsverteilung und der merkwürdig geschnittene Innenraum des Assault Packs nagten unnötigerweise an meinen Kräften.
Desweitern tat sich das Problem mit der Kraft und des Durchhaltevermögens meiner Muskeln auf. Dementsprechend werde ich zukünftig sowohl meine Schultern, als auch meine Beine stärker trainieren müssen um im Extremfall nicht zu einer Belastung zu werden.

Aus der Erfahrung einer Frau

In Krisensituationen Rucksack schnappen und weg hier, ist manchmal einfacher gesagt als getan.
So ist zum Beispiel der richtig eingestellte Rucksack oder die richtige Kleidung sowie das passende Schuhwerk sehr wichtig. Warum?
Der Rucksack
Als dreiköpfige Gruppe waren wir unterwegs um unsere Grenzen mit dem Rucksack zu testen. Voraussetzung: der BOB sollte ein Gewicht von min. 25 kg haben, bestückt mit der Ausrüstung die Frau auch im Notfall dabei hat + 2 fünf Liter Kanister Wasser. Ebenso Voraussetzung die Kleidung die man in solcher Situation tragen würde.
Ziel des Ganzen war es 20Km in 5h zu schaffen, klingt jetzt erstmal nicht viel. Aber wenn der Rucksack nicht passend eingestellt ist, erschwert dass das Laufen schon um so einiges.
Erst recht wenn nicht nur das zügige Laufen Sinn der Sache ist , sondern eben auch Hindernis Überwindung eine Rolle spielt. So musste ich nach knapp einer Stunde feststellen, das mein Rucksack zu tief hing und mir das vorwärts kommen dadurch schwerer machte als nötig.
Es war auch eine schöne Übung um zu sehen wie man sich mit einem 25kg Rucksack bewegen kann oder eben nicht. So ist es ohne Rucksack einfacher unter etwas durch zu robben als mit, da das Gewicht auf dem Rücken einen zusätzlich nach unten drückt und zur Seite rutscht, das dann aus zugleichen wenn man eh schon mit der Fresse im Dreck liegt ist nicht so geil.
Auch das knieen und wieder aufstehen mit dem Rucksack ist eine Challenge für sich wenn man nix zum hochziehen in der Nähe hat, daher ist es wichtig wenn man in der Gruppe unterwegs ist sich auch dabei helfen zu lassen. Schön ist auch mit dem BOB eine Anhöhe hoch zurobben oder im Entengang hoch zu laufen, probiert es mal aus!
Mit Rucksack ist halt alles anders, auch das Tragen von Verletzten oder einen zusätzlichen Rucksack eines Kameraden, als trainierter Mensch schon nicht leicht, als untrainierter sehr schwer machbar. Daher das Fazit zum Rucksack: Richtig eingestellt erspart es einem viel Mühe sich zu bewegen, dennoch sollte jeder der mit dem Rucksack in Krisensituationen weg will dafür trainieren, da sonst nach schon 3km Schluss ist.
Die Kleidung und Schuhe
Viele denken jetzt „Ja Hose, T-shirt vielleicht noch ne Jacke wenn es draußen kalt ist und dann passt“. Leider nicht, wichtig ist eine Hose zu finden die einen in der Bewegung nicht einschränkt und auch das fortbewegen über verschiedene Untergründe mitmacht, ohne nach 5m überall Löcher zu haben. Ich habe mir vorher noch eine Hose gekauft die laut Werbung genau das mitmachen sollte.
Beim Anprobieren passte sie gut und schränkte nicht ein. Draussen dann merkte ich jeden einzelnen Grashalm unter meinen Knien, jede Naht an der Hose. Alles eine Frage des Komfort, wenn man aber durch das Material der Hose über gefühlt 3km zu hören ist, ist das von Nachteil. Ebenso dachte ich ein Tshirt reicht,ein ganz normales aus Baumwoll/Synthetik Gemisch, leider nein, denn einmal nass geschwitzt kühlt es den Körper was bei Hohen Außentemperaturen erstmal angenehm ist, sobald die Sonne aber weg ist dem Körper zusätzlich Energie raubt um diesen zu wärmen. zudem bietet es null Schutz vor den bösen Rucksackriemen die einen wund reiben. Auch dies sollte jeder mal für sich selber austesten welche Kleidung für ihn besser ist. Ich habe darauß gelernt, lieber reine Baumwollshirts und oder Funktionsunterwäsche zu tragen, da diese das Wundreiben bis zu einem bestimmten Grad abschwächen kann und Schweiß besser an die Luft abgibt und man nicht mit nassen Sachen durch die Kante rennt.
Schuhe genau das selbe. Schnell gedacht „Ach die alten Winterschuhe machen das noch mit“  sehr blöder Fehltritt, denn ich stellte schmerzlich fest, das diese den Knöchel zwar gut stützten und gut eingelaufen waren,
die Sohle an den Fersen jedoch schief abgelaufen war und sich das nach einigen Km  in den Knien bemerkbar machte. Auch zu große Schuhe oder von Vorgängern die breitere Füße hatten ist abzuraten.
Denn im Schuh hat man nicht nur eine vor-/rückwärts Belastung sondern auch eine Links/Rechts Bewegung , welche bei zu großen Schuhen zu Blasenbildung an diversen Stellen am Fuß führt.
Blasen laufen ist an sich nichts Weltbewgendes, wenn man duch die Schmerzen  nicht weiter laufen kann, ruiniert einen da schon den Tag.
Schuhe mit Schaft sind meist was gutes, ich stellte jedoch fest, zueng geschnürrt fühlt sich das zwar nach einem sicheren Halt an, aber nach dem ersten Sprint werden die Füße taub und das laufen ohne umzuknicken oder zu stolpern wird dann zur Herausforderung. Fazit: Kleidung und passende Schuhe sind mit am wichtigsten, merken tut man dies wenn man sich nicht nach belieben nochmal umziehen kann.
Erschöpfung
Ich bin es zwar gewohnt öfter einen Rucksack zutragen aber nicht mit 25kg beladen, dementsprechend schmerzten mir die Schultern als erstes. Mit jedem Mal bei dem ich den Rucksack ab/aufsetzten musste(durch verschiedene Übungen) schmerzten meine Schultern mehr und mehr, hätte ich den Rucksack für eine längere Pause abgesetzt bezweifel ich, dass ich ihn wieder hoch bekommen hätte.
Ich merkte auch nach dem zweiten Sprint mit dem Gepäck das meine Ausdauer ziemlich zu Wünschen übrig ließ, da ich es nicht gewohnt bin mit solch einem Gewicht  mehr als „Wandergeschwindigkeit“ zu laufen.
Aber ich merkte das dies mit am wichtigsten ist.
Auch meine Beine wurde mit jedem weiteren km immer etwas mehr lahmer, auch die Füße fingen an zu schmerzen als hätte ich über Stunden gestanden. Durch das Drücken der Rucksackriemen auf dem Brustmuskel, wurden meine Arme regelmäßig taub. Am Ende war ich froh wieder Zuhause zu sein, denn ich war völlig im Eimer, mir tat alles weh und war nur noch müde.
Ich bin froh diese Übung mal gemacht zuhaben und würde sie jedem aus der Prepperscene empfehlen. Dadurch weiß  wie ich mein Training verändern muss um nicht ganz so schnell aus der Puste zu sein und meinen Körper an die Form von Belastung zu gewöhnen.

Bug Out Run – Ein Selbstversuch

Wir haben heute einen Bug Out Run versucht. Sprich, wie lange brauchen wo hin mit unseren Rucksäcken.
Ich bin dabei eher schlecht als recht unterwegs gewesen, da ich zwei wesentlich Fehler gemacht habe.
Wider besseren Wissens wohlgemerkt. Hier ist mein Teil.
Ein Anfang
Der Rucksack hat ein Gewicht von 25 kg, was in etwa einem schweren Bug Out Bag entspricht. Ich bin ein gut
trainiertes, zwei Zentner schweres Kerlchen mit Erfahrung in solchen Dingen. Nur manchmal bin ich auch so blöd und kann auf meine innere Stimme nicht hören. Das rächte sich später dann auch gewaltig.
Der Rucker ist ein Modell Eigenbau, Rahmen und Gurtzeug sind vom ALICE-Pack, der Rucksackteil ist vom österreichischen Bundesheer. Steht jedenfalls drauf. Das Teil war voll bestückt, plus 10 Liter Wasser, plus eine kleine Tasche mit was zu mampfen drin und einer 0,7l Wasserflasche für den Weg. Die Wasserkanister durften nämlich nicht angerührt werden.
In puncto Bekleidung kombinierte ich ein Funktionsoberteil mit einer einfachen Einsatzhose und Knobelbechern.
Der Rucksack
Der ALICE-Pack hat unter Soldaten einen relativ schlechten Ruf. Zurecht, wie ich finde. Ich komme mit dem Teil gut klar, kann den auch ne ganze Weile tragen, aber gut ist anders. Durch den Rahmen aus Stahlror wiegt das Teil mal eben leer um die 4 kg.
Zu schwer, ohne was drin. Von Ergonomie möchte ich gar nicht erst anfangen. Das Teil ist eine ergonomische Katastrophe, Polsterung und Sitz sind zwar mal irgendwann dran vorbei gelaufen aber der ALICE-Pack hat nicht viel davon gesehen.
Der einzige Vorteil ist der Rahmen. Durch den Stahlrahmen lassen sich auch unförmige Lasten gut tragen, er verteilt das Gewicht sehr gut auf Hüfte und Rücken. Man läuft auch nicht nach vorn gebeugt. Es passt auch einiges rein, da der Rucksackteil vom ÖBH etwa das Fassungsvermögen von einem ALICE-Pack Large entspricht. Schlafsack lässt sich unten drunter anbringen.
Als Bug Out Bag empfehle ich ihn aber nicht.
Die Klamotten
Hier gab es an Oberteil und Hose nichts zu beanstanden. Die einfache Einsatzhose hat auch Hindernisse gut mitgemacht, Beweglichkeit war gegeben und äußerlich gab es keinerlei Abnutzungserscheinungen. Das Oberteil hat auch sehr gut mitgemacht, ich habe trotz Anstrengungen nur sehr kurz geschwitzt. Funktionsklamotten sind geil. Die Knobelbecher warens. Ich bin schon lange nicht mehr mit den Dingern rumgelaufen und was normalerweise kein Problem darstellt hat mir heute zum verfrühten Abbruch verholfen.
Meine Fersen waren nach kürzester Zeit wund gelaufen, entgegen aller Erwartung und Erfahrung. Normal passiert mir das nicht, ich denke aber, dass das hohe zusätzliche Gewicht und die ungewohnten Bewegungen dran schuld waren. Und ich wollte die Blasen unterwegs versorgen.
Schlechte Idee, die Stiefel mittendrin auszuziehen und die Fersen zu pflastern. Nach etwa 2 Stunden und 8 Kilometern war für mich Entedente.
Das Körperliche
Von der Sache her ist körperliche Anstrengung für mich kein Thema. Ich traniere 4-6 mal die Woche für mindestens 1,5 Stunden u.a. mit Kugelhanteln, Körpergewicht, Boxsack usw. . Auch das Tragen schwerer Lasten über einen längern Zeitraum macht mir nicht viel aus.
Deshalb hielten sich die Anzeichen von Überlastung in Grenzen. Einzig meine Hüften ärgerten mich etwas, da der Rucksack wirklich mies sitzt. Ansonsten gab es hier nicht zu bemängeln.
Fazit
Neue Stiefel, Rucksack und Schlafsack müssen her. Ich werde 25 kg als Richtgewicht beibehalten aber mein Training etwas umschreiben und mir entsprechende Änderungen überlegen. Rucksack ist zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs, Schlafsack trudelt auch noch iwann ein.
Aber zunächst gibts neue Stiefel. Weil die Knobelbecher mich beim Bug Out zur Strecke hätten bringen können.
Bug Out Run

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